24 Stunden Pflege : Pflege und Betreuung zu Hause nach DIN-Standard

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Mit der Unterstützung einer 24 Stunden Pflege ist es möglich, langfristig in der lieb gewonnen Umgebung wohnen zu können. ©Mecasa GmbH

Kompetente und rechtssichere 24h-Pflege zu finden fällt schwer. Der neue DIN-Standard für häusliche Betreuung erleichtert die Suche nach verbraucherfreundlicher und fairer Betreuung.

Genau hinschauen lohnt sich: Qualitätsstandard sichert Erfolg der 24 Stunden Pflege

Gerhard Müller leidet an Demenz vom Alzheimer-Typ. Seit dem Tod seiner Frau vor drei Jahren hat der 87-Jährige mental und körperlich abgebaut. Wenn seine Tochter ihn im ehemaligen Elternhaus besucht, ist er häufig mürrisch und in letzter Zeit auch aggressiv: “Papa berichtet bruchstückhaft aus seiner eigenen Kindheit und glaubt, ich sei ebenfalls dabei gewesen”, berichtet die 60-Jährige, “da ich ihm inhaltlich nicht immer folgen kann, fängt er an mich zu beschimpfen.” Eine Situation, die die Tochter sehr belastet: “Am schlimmsten für mich ist, dass er mich dann nicht mehr als sein Kind erkennt.”

Der Umzug ins Pflegeheim – die einzige Lösung?

Obwohl der ambulante Pflegedienst dreimal täglich vorbeikommt und auch die Enkel regelmäßig nach ihrem Opa schauen, hat sich Gerhard Müller mehrfach in brenzlige Situationen manövriert: Der letzte Besuch auf dem Wochenmarkt endete im stundenlangen Umherirren und einem besorgten Anruf durch die Nachbarin. “Das hat mir gezeigt, dass unser Vater nicht mehr alleine in seinem Haus leben kann”, berichtet die Tochter. Der Umzug ins Pflegeheim scheint die einzige realistische Lösung.

Überforderte Betreuungskraft: Schlechte Vorbereitung

Als ihre Freundin sie auf die Möglichkeit einer sog. 24 Stunden Pflege anspricht, ist die 60-Jährige zunächst skeptisch. Kurz nach dem Tod ihrer Mutter hatte sie bereits einen Versuch gestartet und eine polnische Betreuungskraft für ihren Vater eingestellt. Ein Vorhaben, das kläglich scheiterte: “Die Dame, die zu meinem Vater ins Haus zog, passte überhaupt nicht zu seinem Charakter.” Sehr zurückhaltend sei sie gewesen und habe nur gebrochen Deutsch gesprochen: “Papa behandelte sie wie einen Laufburschen und hatte keinerlei Respekt.” Darüber hinaus habe er sich nach dem Tod seiner Frau nach einem Gesprächspartner gesehnt, was wegen der mangelnden Sprachkenntnisse nicht möglich war. Nicht zuletzt konnte die Betreuungskraft mit der Demenz des Seniors nicht umgehen: Sie reagierte genervt auf seine ständigen Wiederholungen.

Als die Tochter daraufhin das Gespräch mit der deutschen Vermittlungsagentur suchte, war diese kaum erreichbar. Als sie endlich durchkam, signalisierte ihr der Mitarbeiter, dass er für ihre Schwierigkeiten nicht zuständig sei – sie solle sich an den osteuropäischen Partner wenden. “Ich wurde komplett alleine gelassen”, berichtet die 60-Jährige. Die Betreuungsbeziehung hatte sie daraufhin beendet.

Pflegefachliche Beratung: Vor und während des Einsatzes

Als eine Beratungsstelle sie auf den von der Firma Mecasa und Stiftung Warentest entwickelten DIN-Standard für häusliche Betreuung aufmerksam macht gibt sie der Versorgung zu Hause doch noch eine Chance und hat es nicht bereut: “Ich fühlte mich von Anfang an sehr gut beraten. Man merkt, dass bei Mecasa erfahrene Pflegefachkräfte am Werk sind.”

Was ihr besonders geholfen hat: die ausführliche und fundierte Aufklärung über das Krankheitsbild Demenz. “Endlich verstehe ich, warum mein Vater so aggressiv auf mich reagiert.” Als ehemaliges Familienoberhaupt kommt er mit dem Verlust seiner kognitiven Fähigkeiten nicht zurecht und kann nicht akzeptieren, dass seine Kinder fortan das Zepter in der Hand halten. Als seine Tochter die Zusammenhänge erkennt, kann sie gelassener mit dem Vater umgehen. Weiterer Vorteil: Die Pflegeexperten der Firma Mecasa raten ihr zu einer Höherstufung des Pflegegrads, dem stattgegeben wird. Gerhard Müller ist nun in Grad 4 eingestuft.

Irena und Jasna sind ein tolles Team

Familie Müller ist sehr zufrieden mit den beiden Betreuungskräften aus Polen, die sich als festes Team in der Betreuung ihres Vaters abwechseln. “Schon das Auswahlverfahren lief super, die Mecasa-Mitarbeiter haben sofort erkannt, welche Kompetenzen die Betreuerinnen für unsere Situationen brauchen”, berichtet die Tochter. Denn sowohl Irena als auch Jasna lassen sich vom dominanten Verhalten des Seniors nicht einschüchtern: “Auch wenn er sich manchmal vor der täglichen Gymnastik drücken will – die beiden lassen einfach nicht locker.”

Dazu kommt, dass die Betreuungskräfte schon vor ihrem Einsatz genau darüber Bescheid wussten, was sie vor Ort erwartet – zum Beispiel, dass Gerhard Müller an fortgeschrittener Demenz leidet. Wenn er orientierungslos und verwirrt ist, versuchen sie nicht, ihn zu korrigieren. Im Gegenteil: Sie halten die Erinnerungen des Seniores aufrecht, indem sie alte Fotoalben und Zeitungsausschnitte mit ihm durchblättern. “Mein Vater ist richtig aufgeblüht”, berichtet seine Tochter, “es tut ihm einfach gut, dass immer jemand für ihn da ist.” Auch der körperliche Zustand hat sich gebessert: Beide Betreuungskräfte sorgen für eine ausreichende Trinkmenge und gehen regelmäßig mit Gerhard Müller zur Toilette, sodass sich seine Harninkontinenz zurückgebildet hat. Eine feste Tagesstruktur aus Mahlzeiten, Bewegung und Ruhephasen bewirkt zudem, dass der Senior besser schläft und weniger nachtaktiv ist. Bei allen Fragen zur Betreuungssituation stehen die Pflegefachkräfte von Mecasa zur Verfügung.

Für die Familien hält das Vermittlungsunternehmen einen Betreuungsordner bereit, der die wichtigsten Informationen zum Zusammenleben mit der Betreuungskraft bündelt. “Das hat die erste Zeit mit Irena und Jasna viel leichter gemacht”, berichtet die Tochter von Gerhard Müller, “wir wussten, worauf wir im Umgang achten müssen.” Sie ist sehr glücklich, mit der sog. 24 Stunden Pflege eine Möglichkeit der häuslichen Betreuung für ihren Vater gefunden zu haben.

24 Stunden Pflege nach DIN SPEC 33454

Interview Oliver Weiss zum Thema “Qualitätsstandard in der häuslichen Betreuung”

Wie Familie Müller geht es vielen, die eine polnische Betreuungskraft für ihren Angehörigen engagieren wollen. Oliver Weiss, Gremiumsleiter des DIN-Standards für die häusliche Betreuung, über die Notwendigkeit von Qualitätsstandards in der sog. 24 Stunden Pflege.

Herr Weiss, Sie sind seit mehr als fünf Jahren in der Vermittlung von Betreuungskräften für die häusliche Betreuung tätig. Familie Müller scheint leider kein Einzelfall zu sein – oder doch?

Nein, viele Familien machen ähnliche Erfahrungen. Im konkreten Fall der Müllers kommen zwei Aspekte zum Tragen: Zum einen schien die erste Betreuungskraft mit der Demenz des Seniors überfordert. Noch schlimmer: Sie wusste vor ihrer Anreise aus dem Heimatland nicht darüber Bescheid, was sie vor Ort erwartet und welche Fähigkeiten sie zur Bewältigung der Situation braucht.

Zum anderen scheint die deutsche Vermittlungsagentur Familie Müller nicht ausreichend und transparent beraten zu haben. Auch das ist leider kein Einzelfall – wir erhalten immer wieder Anrufe von Interessenten, die über enttäuschende Erfahrungen berichten. Häufig sind fehlende Sprachkenntnisse bei den Betreuungskräften der Knackpunkt. Oder der Ansprechpartner in der Vermittlungsagentur ist auf einmal nicht mehr erreichbar. Haarsträubend wird es, wenn Betreuungskräfte mit schweren körperlichen Arbeiten wie dem Ausmisten des Dachbodens betraut werden.

Es gibt mehrere Gründe für diese Missstände: So setzte man in der sog. 24 Stunden Pflege in der Vergangenheit auf Masse statt Qualität. Gesetzliche Vorgaben fehlten nahezu komplett, schwarze Schafe dominierten das Geschehen. All das ging auf Kosten der Versorgung – Leidtragende waren sowohl die Betreuungskräfte selbst als auch Senioren und deren Familien.

DIN SPEC 33454 – Der DIN-Standard für die Häusliche Betreuung

Der von Mecasa initiierte und mit Stiftung Warentest, Verbraucherschützern, Pflegewissenschaftlern und Juristen Anfang 2021 veröffentlichte Branchen-Standard DIN SPEC 33454 legt erstmals Anforderungen an Vermittlungsunternehmen und Betreuungsdienstleister fest. Der DIN-Standard schreibt unter anderem vor, dass sich alle an der sog. 24 Stunden Pflege Beteiligten mit dem individuellen Bedarf auseinandersetzen müssen. Des Weiteren  muss die Betreuungskraft den Aufgaben der häuslichen Betreuung – im Falle der Müllers also einer dementiellen Erkrankung – gewachsen sein.

Für den Verbraucher hat das einige Vorteile: Die Zusammenarbeit mit einem nach DIN SPEC 33454 zertifizierten Vermittler garantiert beispielsweise, dass die potenzielle Betreuungskraft vor Beginn des Einsatzes umfassend darüber aufgeklärt wird, welche Kompetenzen sie für die individuelle Betreuungssituation mitbringen muss. Die Betreuungskraft kommt nur in die engere Auswahl, wenn sie nach Kenntnis aller Informationen selbst signalisiert: “Ja, das traue ich mir zu”. Böse Überraschungen lassen sich damit vermeiden.

Was genau ist mit der ersten polnischen Betreuungskraft der Müllers schiefgelaufen? Wie steuert der DIN-Standard hier gegen?

Im Fall der Müllers scheint Einiges schief gegangen zu sein. Fehlende Kenntnisse über die dementielle Erkrankung des Seniors habe ich bereits genannt. Aus den Schilderungen geht außerdem hervor, dass die vermittelnde Agentur sich im Vorfeld kein ausführliches Bild über die konkrete Situation vor Ort gemacht hat. Dazu ist pflegefachliche Expertise unabdingbar. Der DIN-Standard schreibt den Einsatz von Krankenschwestern und Altenpflegern in der Kundenberatung vor. Das Angebot einer Beratung zur individuellen Pflegesituation ist in der Richtlinie verpflichtend festgeschrieben.

Matching-Verfahren: “Es muss passen”

Des Weiteren schien die erste Betreuungskraft der Müllers charakterlich nicht zum Senior zu passen. Wir haben bei Mecasa dazu in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Dirk Hagemann von der Universität Heidelberg ein standardisiertes Verfahren entwickelt, das die Übereinstimmung der Persönlichkeitsmerkmale von hilfsbedürftiger Person und Betreuungskraft gewährleistet. Wenn das gegeben ist, steht einer guten Arbeitsbeziehung nichts im Wege.

Ist das Krankheitsbild der Demenz eine besondere Herausforderung in der häuslichen Betreuung? Welche anderen Einschränkungen gelten als anspruchsvoll?

Dementielle Erkrankungen im hohen Alter zählen zu den häufigsten Gründen für die Beschäftigung einer Betreuungskraft aus Osteuropa. Gleichzeitig stellen sie eine große Herausforderung dar. So benötigen die Betreuungskräfte viel Geduld und Einfühlungsvermögen, zudem sollten sie gut Deutsch sprechen.

Darüber hinaus sind zum Beispiel häufige Nachteinsätze oder eine ausgeprägte Harninkontinenz anspruchsvoll. Auch schwere psychische Erkrankungen wie klinische Depressionen können herausfordernd sein. Umso wichtiger ist die fachliche fundierte Begleitung durch den Vermittler und die Wahl einer Betreuungskraft, die für den Umgang mit der entsprechenden Diagnose geeignet ist. Gerade bei körperlich anspruchsvollen Tätigkeiten wie schweren Transfers vom Bett in den Rollstuhl ist es manchmal sinnvoll, eine männliche Betreuungskraft zu engagieren. Wir haben damit gute Erfahrungen gemacht. Zudem empfehlen wir, dass spätestens ab einem Pflegegrad des Grades 3 zusätzlich ein ambulanter Pflegedienst einbezogen wird.

Familie Müller fühlte sich von ihrem Ansprechpartner bei der Agentur alleine gelassen. Wie lässt sich das vermeiden?

Der DIN SPEC 33454 legt fest, dass die deutsche Vermittlungsagentur einen individuellen und dauerhaften Ansprechpartner für die Senioren und ihre Familien zur Verfügung stellen muss. Ein Kundendienstvertrag regelt zudem eine Rund-um-die-Uhr-Erreichbarkeit, auch an Feiertagen. Wer eine nach Standard zertifizierte Agentur auswählt, ist bei Fragen oder im Notfall also nicht alleine.

Sie sind Initiator des DIN SPEC 33454 und waren als Gremiumsleiter maßgeblich an seiner Entwicklung beteiligt. Was erhoffen Sie sich von diesem Standard in der sog. 24 Stunden Pflege?

Unser großer Wunsch ist es, dass sich im Laufe der Zeit alle Vermittler nach dem DIN-Standard zertifizieren lassen. Wer einen Anbieter auswählt, der sich zur freiwilligen Selbstverpflichtung entschieden hat, weiß: Hier sind mein Angehöriger und ich in guten Händen.

Eine höhere Versorgungsqualität wird sich allerdings nur dann durchsetzen wenn sich Verbraucher an dem Standard orientieren. Erst durch Nachfrage entsteht der nötige Druck auf Vermittler, sich zertifizieren zu lassen – und sich nicht mehr als reiner Personalvermittler sondern als Dienstleister zu verstehen.

Wie läuft die Vermittlung bei der sog. 24 Stunden Pflege ab?

Pflege Zuhause nach DIN SPEC 33454

Über Mecasa

Der Stuttgarter Pflegevermittler Mecasa ist bundesweit tätig und hat den Anspruch, betreuungsbedürftigen Menschen ein weitestgehend selbstständiges und glückliches Leben zu ermöglichen. Der Erfolg gibt dem Unternehmen Recht: Seit seiner Gründung im Jahr 2016 wurde der Pflegeexperte mehrfach im Rahmen nationaler und internationaler Unternehmenswettbewerbe ausgezeichnet und arbeitet eng mit Forschungsinstituten und universitären Stellen zusammen.

Ein Schwerpunkt der Stuttgarter ist die Etablierung einheitlicher Richtlinien für die Vermittlung häuslicher Betreuungskräfte: Gemeinsam mit der Stiftung Warentest, Verbraucherschützern und Pflegewissenschaftlern entwickelte und publizierte Mecasa den ersten deutschen DIN-Standard in diesem Bereich. Die Zertifizierung nach DIN SPEC 33454 sichert hohe Qualität in der Versorgung sowie faire Arbeitsbedingungen für Verbraucher und Betreuungskräfte. Davon profitieren sowohl Senioren als auch deren Angehörige.

Das Wichtigste auf einen Blick:

  • DEKRA zertifiziert nach DIN SPEC 33454
  • Kundenberatung durch examinierte Pflegefachkräfte
  • Optimal passende Betreuungskräfte durch Pflege-Matching
  • Verbraucherfreundlich und fair
  • Netzwerk in Wissenschaft und Forschung, gefördert durch die EU