Geriatrische Reha : Alltägliche Fähigkeiten wiederherstellen

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Nach der Geriatrischen Reha sollte der Patient alltägliche Tätigkeiten wieder selbstständig bewältigen können. ©Freepik

Bei der Heilung oder Wiederherstellung der Körperfunktionen in Folge einer schweren oder langanhaltenden Erkrankung haben ältere Menschen im Vergleich zu jüngeren ein Defizit.

Je mehr Lebensjahre ein Körper hat, desto länger benötigt er bei der ganzheitlichen Rehabilitation der physischen und psychischen Fähigkeiten. Außerdem kommt im höheren Alter hinzu, dass der Körper weitere gesundheitliche Beeinträchtigungen, wie chronische Krankheiten, Muskel- und Gelenksprobleme entwickeln kann. Obendrein können unter Umständen kognitive Einschränkungen auftreten.

All die genannten Indikatoren geben Ausschlag auf die Genesungsdauer bei älteren Menschen, weshalb der Rehabilitationsprozess von einem interdisziplinären Team begleitet werden sollte und die geriatrische Reha einen besonderen Stellenwert erhält.

Was versteht man unter der geriatrischen Reha?

Der Begriff „Geriatrie“ bedeutet Altersheilkunde. Die Fachrichtung – Geriatrischen Reha –  ist somit die medizinische Rehabilitation der Alltagskompetenzen für ältere Personen. Bei der Behandlung werden die relevanten Fähigkeiten des Körpers wieder weitestgehend hergestellt. Der Patient sollte nach der Reha die täglichen Belange selbstständig bewältigen können. Hiermit kann eine erhebliche oder sogar schwere Pflegebedürftigkeit vermieden bzw. mindestens gering gehalten werden.

Jüngere Menschen werden bei Erkrankung häufig mit Hilfe einer Indikationsrehabilitation behandelt. Im Vergleich dazu sollte man bei älteren Patienten eher die umfassende geriatrische Reha in Betracht ziehen. Ältere leiden öfter unter einer Multimorbidität und die geistige wie auch körperliche Belastbarkeit ist gemindert. Speziell bei diesen Patienten ist die gezielte geriatrische Reha in Bezug auf akuten Krankheiten oder Behinderungen ein sinnvollerer Ansatz. Diese Rehabilitation kann konkret auf das Krankheitsbild und die individuellen Bedürfnisse des Betroffenen und dessen Angehörigen angepasst werden. Bei der Behandlung arbeiten zum Beispiel Ärzte mit Therapeuten wie auch mit Sozialarbeitern oder Ernährungswissenschaftlern eng zusammen. Der Patient und dessen Umfeld erhält eine intensivere, fachspezifischere Beratung und Schulung, wodurch ein besseres Behandlungsergebnis besonders für ältere Menschen erzielt wird.

Wer ist für die Behandlung geeignet?

Falls bereits im Alter von 60 Jahren eine ausgeprägte Multimorbidität vorliegt, können die Maßnahmen der geriatrischen Reha bereits frühzeitig greifen. Im Regelfall sind die Patienten 70 Jahre und älter. Sie müssen bei der Bewältigung ihrer alltäglichen Aktivität und oder im sozialen Miteinander eine Beeinträchtigung aufweisen. Wenn folglich ein bestehender Rehabilitationsbedarf im Anschluss an eine akute Erkrankung attestiert wird und eine Rehabilitationsfähigkeit besteht, die Aussichten auf eine erfolgreiche Behandlung hat, erhält der Patient die Möglichkeit der geriatrischen Reha.

Welche relevanten Beeinträchtigungen müssen zum Beispiel im Alltag oder im Sozialleben bestehen:

  • Selbstversorgung (Essen, Trinken, Selbsthygiene, An- und Ausziehen)
  • Mobilität (Gehen, Stehen, Sitzen, aber auch Feinmotorik für Alltagstätigkeiten)
  • Haushaltstätigkeiten (Einkaufen, Kochen, Saubermachen)
  • Kognitive Fähigkeiten (Lesen, Schreiben, Problemlösung)
  • Kommunikationsschwierigkeiten (Sprechen, Hören und schriftliche Kommunikation)

Zu den bereits aufgeführten Punkten können natürlich auch die täglichen Bankgeschäfte, die Strukturierung des Tages oder auch komplexe Aufgaben eine große Herausforderung sein. Falls eine oder mehrere Beeinträchtigungen bestehen oder Folge einer Krankheit sind, dann stellt die geriatrische Reha eine mögliche Behandlungsart dar. Sie können den Antrag entweder direkt im behandelnden Krankenhaus bearbeiten oder Sie besprechen sich mit Ihrem Hausarzt, der den Antrag direkt bei Ihrer Krankenkasse einreicht.

Beachten Sie, dass es seit 2007 einen Rechtsanspruch auf die Behandlung mit der geriatrischen Reha gibt. Sie können daher gegenüber Ihrer Krankenkasse auf die Durchführung bestehen. Habe Sie als Patient oder einer Ihrer erkrankten Angehörigen Schwierigkeiten bei der Beantragung, dann kontaktieren Sie einfach den Sozialdienst im Krankenhaus oder eine unabhängige Patientenberatung.

Wie baut sich eine geriatrische Reha auf?

Die geriatrische Reha wird in ambulanter und stationärer Behandlung unterschieden. Bei der ambulanten Rehabilitation sucht man spezifische Einrichtungen auf. Hierbei gelten bestimmte Kriterien, die einen ambulanten Aufenthalt ausschließen. Wenn der Patient im Krankenhaus medizinische überwacht werden muss, unter einer ärztlichen Beobachtung stehen sollte oder bestimmte Voraussetzungen während des Rehabilitationsprozesses gegeben sind, empfiehlt sich ein stationärer Aufenthalt.

Egal welche Behandlungsart zum Tragen kommt: Bevor man eine geriatrische Reha beginnt, wird stets eine intensive Diagnostik vorausgesetzt. Bei dieser Voruntersuchung, „Geriatrisches Assessment“ genannt, stellt man die derzeitigen Beschwerden und Einschränkungen fest. Zudem werden im Gespräch mit dem Patienten bzw. dessen Angehörigen notwendige Fragen zum Alltag und den sozialen Kontakten geklärt. Dies stellt die Ausgangssituation für die weitere Behandlung dar, die im Folgenden auf den Patienten individualisiert wird. Nach der Aufnahme aller Fakten sollte das Ziel der geriatrischen Rehabilitation erörtert werden. Die behandelnden Ärzte und Therapeuten konkretisieren daraufhin den Rehabilitationsplan, der die therapeutischen Maßnahmen fixiert. Zu einer medikamentösen Therapie erhält der Patient verschiedenen Therapiebehandlungen in der Einzel- oder Gruppensitzungen über den Tag verteilt. 

Typische therapeutische Behandlungen der geriatrischen Reha sind:

  • Physiotherapie oder Krankengymnastik
  • Ergotherapie
  • Aktivierende therapeutische Pflege
  • Ernährungsberatung
  • Sprach- und Schlucktherapie
  • (Neuro-)Psychotherapie
  • Verschiedene Bewegungsformen

Zu diesen täglichen Therapiesitzungen, die je nach Art der Therapie 15 bis 30 Minuten dauern, werden im Regelfall Gespräche mit Sozialarbeitern angeboten. Dabei kann man beispielsweise Informationen zur Pflegebedürftigkeit oder notwendigen Anpassungen der neuen Lebenssituation besprechen. Außerdem können die Angehörigen diverse Schulungen zum erleichternden Umgang mit den Patienten besuchen.

Eine Sonderform ist die mobile geriatrischen Reha.Hierbei erfolgen die Therapiemaßnahmen beim Patienten zuhause. Der Vorteil dieser Maßnahme ist, dass die Mitglieder des geriatrischen Reha-Teams mit der älteren Person genau die Tätigkeit bzw. Ersatzhandlungen üben kann, die dem Patienten Schwierigkeiten bereitet. 

Wie lange kann die Rehabilitation dauern?

Die Dauer einer geriatrischen Reha ist nicht genau zu beziffern. Die Behandlung ist von Patient zu Patient unterschiedlich und hängt von einigen Faktoren ab:

  • Körperliche Ausgangssituation
  • Schwere der Krankheit und Schädigung
  • Grad der Einschränkungen
  • Rehabilitationsverlauf (Erfolg der Therapiemaßnahmen)

Die Rehabilitation ist für mindestens drei Wochen sinnvoll. Dieser Zeitraum wird von den Krankenkassen bewilligt und je nach Begründung kann die Behandlung auch verlängert werden. Allerdings hängt die Weiterbewilligung vom Ermessen der Krankenkassen ab.

Zu beachten ist, dass es hierbei um die Dauer der ganzheitlichen geriatrischen Reha geht.

Nach einer akuten Erkrankung wird zumeist schon im Krankenhaus eine geriatrische Früh-Reha durchgeführt, um den Patienten entlassen zu können. Dies ist in den Krankenhausaufenthalt inkludiert und unabhängig der weiteren Behandlungen.

Die geriatrische Früh-Reha bezweckt somit die Verbesserung der Konstitution, die das gesundheitlichen Problems hervorgerufen hat, wie zum Beispiel die Maßnahmen aufgrund eines Schlaganfalls. Die Reha muss unverzüglich beginnen, damit die Auswirkungen möglichst geringgehalten werden.

Diese frühe Rehabilitation zielt also konkret auf den Schlaganfall ab und andere Gesundheitsprobleme werden nur dann therapiert, wenn sie im Zusammenhang mit der Ursache stehen. Somit ist die frühe Indikation der Reha-Maßnahme im Krankenhaus nicht vergleichbar zur umfassenden geriatrischen Rehabilitation.

Kann mir die geriatrische Reha helfen?

Der Erfolg der geriatrischen Reha hängt vom persönlichen Willen ab. Wenn der Patient von den individuellen Maßnahmen überzeugt ist und den Rehabilitationsplan befolgt, führt die Behandlung zum Erfolg.

Wenn sie in einem Alter von 70+ Jahren sind und mindestens zwei typischen Erkrankungen bestehen, dann ist die Grundvoraussetzung für eine Bewilligung durch die Krankenkasse erfüllt. Als typische, altersbezogene Erkrankungen gelten beispielsweise: Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, InkontinenzDemenz und weitere.

Der Vorteile einer geriatrischen Rehabilitation sticht heraus: Durch die Betreuung eines fachübergreifenden Teams aus Ärzten, Therapeuten und anderen Fachkräften können Sie nach dem Reha-Ende Ihre Lebensqualität zurückerlangen.

Die täglichen Behandlungen und Therapien zeigen deutlich schnellere Fortschritte im Vergleich zu normalen wöchentlichen Terminen. Und zusätzlich lernen Sie Gleichgesinnte kennen und können neue Kontakte knüpfen.

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Quelle: www.vdek.com