Priv. Pflegezusatzversicherung : Die drei Modelle der Pflegeversicherungen

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Gut versichert den Ruhestand genießen. Bild: Monkey Business | Fotolia.com

Der demografische Wandel lässt die Zahl der Pflegebedürftigen steigen. Immer mehr Menschen sind auf pflegende Angehörige oder professionelle Pflege angewiesen.

Der gesetzliche Schutz der Pflegeversicherung reicht nicht aus, um die aufkommenden Pflegelücken im Ernstfall zu schließen. Private Pflegezusatzversicherungen bieten eine Lösung für ausreichenden Schutz im Pflegefall. Doch unter den zahlreichen Anbietern und Modellen fällt es schwer, die für die individuellen Bedürfnisse passende Versicherung zu finden. Pflegebedürftigkeit - sie tritt meist schleichend ein und hat verschiedene Ursachen. Vor allem durch Alterskrankheiten, wie beispielsweise Demenz, steigt die Wahrscheinlichkeit der späteren Pflegebedürftigkeit. Aber auch Schlaganfälle oder Herzinfarkte (Folgen einer Arteriosklerose) lassen viele Menschen zu einem Pflegefall werden.

Jedes Jahr steigt die Zahl der über 80-jährigen und damit auch die Zahl der Pflegebedürftigen. Bereits im Jahr 2015 wurden 2,9 Millionen Pflegebedürftige in Deutschland gezählt - neun Prozent mehr als noch im Jahr 2013. Das Statistische Bundesamt warnt, dass es im Jahr 2050 doppelt so viele Pflegebedürftige wie heute geben wird. Werden diese Zahlen betrachtet, steht eines fest: Jeder sollte sich so früh wie möglich Gedanken über eine gute Absicherung im Alter machen. Denn mit der Pflegebedürftigkeit kommen diverse Probleme auf uns und unsere Angehörigen zu. Eine große Herausforderung sind die enormen Kosten, da allein schon die Versorgung des Pflegebedürftigen einen hohen finanziellen Aufwand darstellt.

Versorgungsarten – Wie sollen die Kosten gestemmt werden?

Der „Versorgungs-Trend“ entwickelt sich in Richtung der häuslichen Pflege durch ambulante Dienste und pflegende Angehörige, da der Wunsch nach möglichst langer Selbstständigkeit und dem Verbleib in den eigenen vier Wänden besteht. Verstärkt wird dieser Trend dadurch, dass sich Angehörige eine Unterbringung des Pflegebedürftigen in stationären Pflegeeinrichtungen nicht immer leisten können und die Rente alleine dazu oft nicht ausreicht. Daher wird versucht, den Pflegebedürftigen so lange wie möglich zu Hause zu pflegen. Bei Demenzkranken ist dies zusätzlich von Vorteil, da eine gewohnte Umgebung für sie wichtig ist. Allerdings kann gerade die Pflege von demenzkranken Angehörigen zu einer starken physischen und psychischen Belastung führen. Die Unterbringung in einer stationären Pflegeeinrichtung lässt sich oftmals leider nicht unbegrenzt aufschieben.

Die gesetzlichen Regelungen der Pflegeversicherung wurden in den letzten Jahren zum Vorteil der Pflegebedürftigen geändert. Die neue Pflegereform II ist Anfang 2017 in Kraft getreten. Trotzdem reichen die staatlichen Gelder nicht aus, um die komplette Versorgung im Pflegefall zu gewährleisten. Die im Ernstfall entstehende Pflegelücke wird nicht komplett durch die Pflegeversicherung gedeckt. „Hilfe zur Pflege“ ist eine Leistung des Sozialamtes, die gezahlt wird, wenn Pflegebedürftige die eigene Versorgung durch die Rente oder durch das eigene Vermögen nicht abdecken können. Was viele nicht wissen: Das Sozialamt versucht, die entstandenen Kosten von den Kindern über den Elternunterhalt zurückzuholen. Somit fallen Pflegebedürftige der Familie ungewollt finanziell zur Last. Um die häusliche Pflege durch ambulante Dienste oder die Unterbringung in einem Alten- und Pflegeheim bezahlen zu können, raten Experten eine private Pflegeversicherung bereits frühzeitig abzuschließen. Bei der Unterbringung in betreutem Wohnen liegen allein schon die Mieten rund 20 Prozent höher als bei vergleichbaren Mietwohnungen.

Wer die hohen Kosten der Pflege nicht aus den laufenden Einnahmen der Rente begleichen kann, steht vor einer schwierigen Situation. Ersparnisse werden aufgebraucht und sogar Immobilien müssen verkauft werden, um die Pflege zu gewährleisten. Vor solch ungewollten Notwendigkeiten kann eine private Pflegeversicherung schützen. Bereits bei einer mittelschweren Pflegebedürftigkeit entstehen Kosten von mehreren tausenden Euro. Der Staat übernimmt nur einen bestimmten Teil hiervon.  

Frühzeitig eine private Pflegeversicherung abschließen

In der Regel sollte eine private Pflegeversicherung so früh wie möglich abschlossen werden. Eine frühe Absicherung bringt einige Vorteile:

Geringerer Beitrag über die Gesamtlaufzeit: Sie zahlen über die gesamte Laufzeit verteilt weniger an Beiträgen, wenn Sie frühzeitig vorsorgen. Die Höhe des Beitrags ist überwiegend vom Eintrittsalter abhängig. Je älter das Eintrittsalter, desto höher die Monatsbeiträge.
Leichtere Gesundheitsprüfung: Diese ist generell vor Vertragsbeginn erforderlich. Falls Sie Vorerkrankungen haben, müssen Sie mit einem Risikozuschlag oder gar einer Ablehnung des Versicherungsschutzes rechnen.
Plötzliche Pflegebedürftigkeit: Nicht nur im Alter gibt es das Risiko der Pflege. Durch Krankheiten oder Unfälle kann eine Pflegebedürftigkeit auch in jungen Jahren auftreten.
Ausreichend versorgt: Ein frühzeitiger Start mit einem überschaubaren Eigenanteil kann für eine geeignete Zusatzversorgung im Pflegefall sorgen. Die Absicherung kann während der Vertragslaufzeit ohne Gesundheitsprüfung erhöht werden (Nachversicherungsgarantie).  

Private Pflegeversicherung individuell nach Ihren Bedürfnissen

Um sich frühzeitig finanziell für eine eventuelle Pflegebedürftigkeit abzusichern, gilt es, sich über die unterschiedlichen Möglichkeiten zu informieren und sich für ein geeignetes Modell zu entscheiden. Wichtig: Es muss zu den individuellen Bedürfnissen passen. 

Die private Pflegerente

Die private Pflegerentenversicherung wird von Lebensversicherungen nach dem Kapitaldeckungsverfahren angeboten. Der monatliche Beitrag an eine private Pflegerentenversicherung ist flexibel wählbar und die gesamte Laufzeit über stabil. Es besteht ebenfalls die Möglichkeit eines Einmalbetrages oder einer Kombination aus beidem. Die Beitragshöhe wird nach bestimmten Faktoren bestimmt. Zu den Faktoren gehören die gewünschte Höhe der Pflegerente und das Eintrittsalter. Die Dauer der Beitragszahlung endet mit Eintritt des Pflegefalls, sie kann jedoch auch verkürzt werden. Die Auszahlung der privaten Pflegerente im Leistungsfall beginnt mit Eintritt der Pflegebedürftigkeit. Hierbei gibt es zwei Möglichkeiten der Leistung: Zum einen die lebenslange monatliche Pflegerente und zum anderen eine Einmalzahlung. Je nach Grad der Pflegebedürftigkeit erhält der Versicherte unterschiedlich hohe Leistungen. In der Regel beträgt die monatliche Zahlung der Pflegerente zwischen 250 Euro und 3.000 Euro.

Der Vorteil einer privaten Pflegerentenversicherung ist, dass der Pflegebedürftige frei über das Geld verfügen kann und die Art der Versorgung, sei es ambulant oder stationär, keine Rolle spielt. Des Weiteren kann die Versicherung temporär beitragsfrei gestellt werden, beispielweise bei unerwarteten finanziellen Schwierigkeiten. Wird die Beitragsfreistellung in Anspruch genommen, reduziert sich die zu erwartende Leistung. Versicherungsgesellschaften bieten zu der privaten Pflegerentenversicherung eine Pflegerentenversicherung mit Todesfall-Leistung an. Nach dem Tod des Versicherten erhalten die Hinterbliebenen eine Auszahlung. Im Vergleich zu den anderen beiden Modellen ist die Pflegerente eine reine Risikoversicherung. Das bedeutet, dass ein Teil der Beiträge auch dann nicht verloren ist, wenn der Pflegefall nicht eintritt. Hinterbliebene erhalten einen Betrag nach Ableben ausbezahlt. 

Vor- und Nachteile der Pflegerentenversicherung.
Vor- und Nachteile der Pflegerentenversicherung ©Daniel Seeger

Die private Pflegetagegeldversicherung

Die Pflegetagegeldversicherung ist eine private Pflegezusatzversicherung, die bei privaten Krankenversicherungen abgeschlossen werden kann. Sie zahlt ab dem Eintritt der Pflegebedürftigkeit ein festgelegtes Tagegeld aus. Die Auszahlung erfolgt allerdings monatlich auf Basis von 30 Tagen pro Monat. Der Versicherte kann über die Leistung frei verfügen, sei es für professionelle Pflege oder Laienpflege (Leistung an Familienmitglieder). Die Höhe des Pflegetagegeldes sollte so festgelegt sein, dass die Versorgungslücke im Pflegefall komplett geschlossen werden kann. Je höher das versicherte Pflegetagegeld, desto höher die Beiträge.

Die ausgezahlte Leistung unterscheidet sich je nach Grad der Pflegebedürftigkeit. Das volle Tagegeld (100 %) wird demnach im höchsten Pflegegrad (Pflegegrad 5) ausbezahlt. Anders als bei der Pflegerentenversicherung wird bei der Leistung die Versorgungsart berücksichtigt. Die Auszahlung kann sich je nach Tarif und Pflegegrad für die ambulante und stationäre Pflege unterschiedlich staffeln. Um die Beiträge der Pflegetaggeldversicherung möglichst niedrig zu halten, empfiehlt es sich, die Versicherung ebenfalls möglichst früh abzuschließen. Je früher eine Pflegetagegeldversicherung abgeschlossen wird, desto niedriger sind die zu zahlenden Beiträge. Über dynamische Anpassungen kann während der Vertragslaufzeit das Tagegeld erhöht werden. Dadurch erhöhen sich dann auch die Beiträge. Einer solchen dynamischen Anpassung kann der Versicherungsnehmer jedoch regelmäßig widersprechen. Die Gesundheitsprüfung steht bei der Pflegetagegeldversicherung ebenfalls im Vordergrund. Anträge können somit abgelehnt oder mit einem Risikozuschlag kalkuliert werden.

Die Pflegetagegeldversicherung unterscheidet sich ebenfalls in der Beitragsrückzahlung von der Pflegerente. Bei Tod oder vorzeitiger Kündigung des Versicherten gibt es keine anteilige Beitragsrückzahlung. Die Tagegeldversicherung ist eine reine Risikoversicherung ohne Sparanteil. Die Pflegetagegeldversicherung wurde im Laufe der Zeit in drei verschiedene Modelle aufgeteilt.

• Statische Pflegetagegeld-Tarife: Diese Form wird auch „starre“ Pflegezusatzversicherung genannt. Sie gehört zu den klassischen Tarifgattungen, die am häufigsten angeboten wird. Je nach Pflegegrad erfolgt eine feste prozentuale Auszahlung des vereinbarten Tagegeldes.
• Flexible Pflegetagegeld-Versicherung: Diese Variante bietet mehr Möglichkeiten als die klassische Variante. Beispielsweise kann die Leistungshöhe in jeder Pflegestufe individuell angepasst werden.
• Staatlich geförderte Pflege-Bahr-Pflegeversicherung: Dieser Sondertarif bietet eine staatliche Förderung in Höhe von fünf Euro monatlich an. Es müssen jedoch bestimmte Förderkriterien erfüllt werden.

Bei der Auswahl der richtigen Pflegetagegeldversicherung sollten Sie auf diese 8 Kriterien unbedingt achten. 

Vor- und Nachteile der Pflegetagegeldversicherung.
Vor- und Nachteile der Pflegetageversicherung ©Daniel Seeger

Die private Pflegekostenversicherung

Die private Pflegekostenversicherung wird ebenfalls von privaten Krankenversicherungen angeboten. Sie deckt die unmittelbaren Kosten der Pflege, beispielweise die Kosten für den ambulanten Dienst. Meist werden nur die tatsächlichen Pflegekosten abgedeckt, die nicht von der gesetzlichen Pflegekasse übernommen werden. Die Ausgaben für die Pflege müssen in der Regel mit Belegen nachgewiesen werden. Somit ist diese Variante der Pflegeversicherung zweckgebunden und es wird kein monatlicher pauschaler Betrag ausbezahlt. Vor Abschluss sollte die Leistung der Pflegekostenversicherung dringend geklärt werden, denn hierbei gibt es zwei Möglichkeiten: Zum einen kann eine Höchstsumme pro Jahr festgelegt werden. Diese Variante bieten die meisten Gesellschaften an. Zum anderen gibt es die Möglichkeit, die Leistungen der gesetzlichen Pflegeversicherung um einen bestimmten Prozentsatz aufzustocken (bspw. 50%). Der Versicherte muss hierbei keine Belege einreichen, sondern die Zuwendung aus der staatlichen Pflegeversicherung.

Es gilt weiter zu beachten, ob Kosten für die „Laienpflege“ (Pflege durch Angehörige) übernommen werden. Nach Eintritt der Pflegebedürftigkeit müssen die monatlichen Beiträge meistens weitergezahlt werden. Eine Beitragsfreistellung ist ebenfalls nicht möglich.

Vor- und Nachteile der Pflegekostenversicherung.
Vor- und Nachteile der Pflegekostenversicherung ©Daniel Seeger

Pflegeversicherung miteinander vergleichen

Eine private Pflegezusatzversicherung ist sinnvoll, um eine im Ernstfall eintretende Pflegelücke zu schließen. Vorab sollte jedoch geklärt werden, welche Leistungen notwendig sind, um individuellen Bedürfnissen gerecht zu werden. Nachdem eine passende Versicherungsart gefunden wurde, sollten Tarife verschiedener Versicherungsanbieter verglichen werden, um das bestmögliche Preis-Leistungsverhältnis zu finden. Da die Auswahl riesig ist, ist eine persönliche Beratungen durch einen Experten ratsam.

In unserem Versicherungsratgeber auf dem Deutschen Seniorenportal haben wir verschiedene Anbieter für die Pflegetagegeldversicherung verglichen und beantworten alle weiteren Fragen rund um das Thema Pflegeversicherung

Die drei verschiedenen Modelle in der Übersicht.
Die drei verschiedenen Modelle in der Übersicht ©Daniel Seeger