Wenn die Augen in die Jahre kommen : Über bekannte und weniger bekannte Alterungserscheinungen des Auges

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So verändert sich das Auge im Alter. ©yanavas | Freepik.com

Dass das Sehvermögen mit dem Alter nicht besser wird, ist nahezu eine Binsenweisheit. Die meisten Menschen bemerken um das 45. Lebensjahr herum, dass es ihnen zunehmend schwerer fällt, klein gedruckte Schrift aus dem üblichen Leseabstand zu entziffern.

Wenn die Arme kürzer werden – Wie die Augen sich im Alter verändern

Was hier beginnt, ist die sogenannte Altersweitsichtigkeit. Ein Phänomen, das unserer Gesellschaft so vertraut ist, dass wir es kaum als Augenkrankheit wahrnehmen und gerne als „kürzer werdende Arme“ weglächeln. Ursache ist ein Elastizitätsverlust der Linse, der dazu führt, dass das Auge nicht mehr so gut auf Objekte im Nahbereich fokussieren kann. Lesehilfen, die übrigens spätestens dann, wenn sie dauerhaft, zum Beispiel am Schreibtisch, getragen werden, von einer Fachkraft für Augenoptik oder Augenmedizin angepasst werden sollten, schaffen in den meisten Fällen relativ problemlos Abhilfe.

Das trockene Auge als Alterserscheinung

Besonders Frauen erleben – mitbedingt durch die Wechseljahre – oftmals zeitgleich mit der beginnenden Altersweitsichtigkeit ein unangenehmes Trockenheitsgefühl des Auges, begleitet von Rötungen und Brennen. Auch Männer können davon betroffen sein, zumal in den späteren Jahren. Dabei können mehrere Ursachen vorliegen: Zum einen nimmt der Tränenfilm, der unser Auge schützt, mit den Jahren ab. Und zum anderen verändert er seine Zusammensetzung. Der natürliche Fettanteil nimmt ab und so vermindert sich der erwünscht „Schmiereffekt“, obwohl das sich trocken anfühlende Auge unter Umständen paradoxerweise gleichzeitig wässrig tränt. Auch wenn „trockenes Auge“ harmlos klingt, können die Beschwerden sehr unangenehm sein und die Lebensqualität spürbar beinträchtigen.

Wer damit zu kämpfen hat, kann einige Tipps beherzigen, z.B. auf ausreichende Trinkmenge achten, bei Sonne und Wind eine schützende Brille tragen, nicht Rauchen usw. Außerdem gibt es in Apotheken Befeuchtungsmittel in Form von Augentropfen, Augengels oder auch Augencremes, die wie künstliche Tränen fungieren und dem Auge Feuchtigkeit spenden. Werden diese Produkte eine gewisse Zeit angewendet, kann sich die natürliche Tränenproduktion des Auges wieder normalisieren. Ist dies nicht der Fall, sollte ärztlicher Rat eingeholt werden.

Altersbedingte Makuladegeneration – eine behandelbare Augenerkrankung

Eine andere häufig auftretende, aber sehr viel unbekanntere Alterungserscheinung des Auges ist die Makuladegeneration. Was verbirgt sich hinter dem schwierigen Wort? Werfen wir zur Erklärung einen Blick ins Innere des Auges. Der Augapfel des Menschen ist mit einer gallertartigen Masse gefüllt, dem sogenannten Glaskörper. Im Alter schrumpft dieser Glaskörper und hebt sich dabei von der hintern Netzhaut ab, während er an der vorderen Netzhaut anhaften bleibt. Das ist keine Erkrankung, sondern ein normaler Alterungsprozess. Viele Menschen bemerken davon gar nichts oder kaum etwas. Die Glaskörperabhebung geschieht dabei nicht schlagartig, sondern schrittweise. Während dieser Prozess andauert, kann es zu Sehstörungen kommen. Die Betroffenen sehen netz- oder klumpenartige Strukturen, die sich mit dem Auge mitbewegen. Wenn der sich abhebende Glaskörper an der hinteren Netzhaut zieht, dann kann das den Eindruck von Lichtblitzen verursachen.

Augenflimmern? Lichtblitze? Bei welchen Symptomen am Auge Sie ärztlichen Rat suchen sollten

Manchmal werden bei der Ablösung des Glaskörpers auch kleine Blutgefäße verletzt, was dann zu einer Trübung der Sicht führen kann. In den allermeisten Fällen sind diese Symptome harmlos und hören von alleine auf, ohne Folgen zu hinterlassen. Trotzdem ist es ratsam einen Arzt aufzusuchen, wenn man diese Symptome bemerkt. Denn in seltenen Fällen kommt es im Verlauf der Glaskörperabhebung zu Komplikationen. Es ist möglich, dass in der hinteren Netzhaut Risse oder Löcher entstehen. Wenn der Arzt diese rechtzeitig entdeckt, kann ein solcher Riss mit einer Laserbehandlung geschlossen werden. Bleibt der Riss unbehandelt, kann es zu einer sogenannten Netzhautablösung kommen. Von Netzhautablösung spricht man, wenn sich die vordere Netzhaut vom Glaskörper ablöst. Wird dagegen nichts unternommen, ist die Erblindung fast unausweichlich.

Eine andere mögliche Komplikation während der Glaskörperabhebung besteht darin, dass sich der Glaskörper nicht vollständig von der hinteren Netzhaut trennt. Meist ist davon die Makula betroffen, das ist der Teil der Netzhaut, der für das schärfste Sehen verantwortlich ist. Der nicht vollständig abgehobene Glaskörper kann an der Netzhaut ziehen. Diese sogenannte vitreomakuläre Traktion (VMT) führt zu verzerrtem Sehen und in der Folge kann auch ein Loch in der Makula entstehen. Stellt der Arzt VMT fest, wird er zunächst einmal den weiteren Verlauf genau beobachten: In rund 10 Prozent der Fälle hebt sich der Glaskörper von allein vollständig ab und bereits vorhandene Löcher in der Netzhaut schließen sich wieder. Geschieht dies nicht, war lange Zeit ein chirurgischer Eingriff das einzige Mittel der Wahl. Seit einigen Jahren steht aber auch eine medikamentöse Behandlung zur Verfügung.

Wie bereits gesagt: Zum Glück verläuft die Makuladegeneration des Auges meist ohne bleibende Folgen. Trotzdem gilt: Bei plötzlich auftretender Verminderung von Sehschärfe oder Sehvermögen, bei Lichtblitzen und anhaltendem Augenflimmern sollten Sie sich vorsorglich in medizinische Behandlung begeben.

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