Digitales Erbe : Wie Sie Onlinekonten & Passwörter vererben

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Gedanken und Überlegungen zum Nachlass digitaler Daten sollten rechtzeitig getätigt werden. goodluz | Fotolia.com

Wir sind fast täglich im Internet unterwegs und hinterlassen dort digitale Spuren. Doch was geschieht nach dem Tod mit unserem Leben im Netz?

Ein digitaler Nachlassplaner hilft beim Verwalten des digitalen Erbes

Unsere Autoversicherung haben wir online über ein Vergleichsportal abgeschlossen. Den Urlaub planen wir über das Internet, die Telefonrechnung verwalten wir im Webportal des Anbieters und Bankgeschäfte erledigen wir schon längst im Internet. In der Freizeit surfen wir auf Facebook und in anderen sozialen Netzwerken, teilen Fotos mit der Familie über WhatsApp oder chatten mit Freunden im In- und Ausland.

Die digitale Welt ist nicht nur das Zuhause der Generation Y. Auch ein Großteil der älteren Generation ist online aktiv. Laute einer Studie der Initiative D21 sind 85 Prozent der Menschen zwischen 50 und 64 Jahren regelmäßig im Internet unterwegs. Erst bei der Altersgruppe 65plus sinkt die Anzahl der Internetnutzer unter 50 Prozent.

Das Checken von E-Mails ist genauso alltäglich wie der Gang zum Briefkasten. Wonach kaum jemand fragt ist, was mit dem Profil auf Facebook, den Datenmengen in der Cloud, und dem Guthaben bei PayPal geschieht, wenn ein Nutzer stirbt. Alle digitalen Daten überdauern den Tod und werden somit zum digitalen Nachlass. Das ist kein Thema, über das man gerne nachdenkt. Doch es lohnt sich, sich darüber Gedanken zu machen, spätestens jenseits der Fünfzig, wenn sich das Leben verändert.

Digitalen Nachlass frühzeitig planen

Immer häufiger hört man dann Geschichten von Bekannten, die vor großen Problemen standen, weil nichts im Vorfeld geregelt war. Darüber, wie und ob Erben Zugang auf das Konto eines verstorbenen Nutzers in einem sozialen Netzwerk haben, hat beispielsweise der Bundesgerichtshof noch zu entschieden. Doch wer sich um Vorsorgethemen wie Patientenverfügung, Betreuungsvollmacht, Bestattungsvorsorge und Testament beschäftigt, sollte auch über sein digitales Erbe nachdenken. Denn oft haben die Erben keinen Überblick, welche Verträge und Nutzerkonten überhaupt bestehen.

Wer jetzt denkt: Alles halb so wild mit dem Internet, es sterben nur die anderen. Nach mir die Sintflut, wenn ich tot bin, betrifft mich das alles nicht mehr, der handelt fahrlässig. Regelungen für den digitalen Nachlass schützen auch die Privatsphäre der Kommunikationspartner in den sozialen Netzwerken und Messengerdiensten. 

Warum digitale Vorsorge sinnvoll ist

Grundsätzlich bieten soziale Netzwerke wie Facebook Erben verschiedene Möglichkeiten, wie mit dem digitalen Erbe der Verstorbenen umgegangen werden soll. Sie können beispielsweise eine Löschung des Kontos beantragen oder das Profil in den Gedenkzustand versetzen lassen, also eine Art digitales Kondolenzbuch. Dazu müssen sie gegenüber Facebook allerdings nachweisen, dass die Person verstorben ist und sie Angehöriger oder nachlassbevollmächtigt sind.

Bei WhatsApp gilt: Wird der Mobilfunkvertrag einer verstorbenen Person gekündigt, kann es passieren, dass die Rufnummer bereits nach 30 Tagen neu vergeben wird. Meldet sich der neue Besitzer mit dieser Rufnummer beim Messenger an, kann das Profil des Verstorbenen mit allen Inhalten sichtbar werden. Nur wer das Profil bei WhatsApp löscht bevor er den Mobilfunkvertrag kündigt, kann das sicher verhindern.

Digitales Erbe online verwalten

Wer seinen Partner, die Kinder, die Eltern liebt, wird sie nicht mit einem digitalen Chaos belasten wollen. Es lohnt sich also, auch einmal über den eigenen digitalen Nachlass nachzudenken. Der erste Schritt hin zu einem digitalen Nachlass ist eine Bestandsaufnahme: Welche Onlineverträge, Profile in sozialen Netzwerken, digitale Mitgliedschaften oder Accounts bei Webshops und anderen Anbietern gibt es? Das ZDF-Verbrauchermagazin Wiso empfahl Mitte 2017 seinen Zuschauern, alle Konten und Zugangsdaten in einer Liste einzutragen und bei einem Notar zu hinterlegen, gemeinsam mit dem Testament. Es geht auch einfacher – zum Beispiel mit einem digitalen Nachlassplaner im Netz. Wer eine Sterbegeldversicherung bei der LV 1871 abgeschlossen hat, kann den Service gegen einen geringen Mehrbeitrag nutzen. In dem digitalen Nachlassplaner lassen sich neben Onlinenutzerkonten auch weitere Verträge und Mitgliedschaften digital verwalten – vom Sky-Abo bis zu Mitgliedschaft im örtlichen Sportverein. Einmal angelegt, können Nutzer selbst entscheiden, was im Fall der Fälle mit den Verträgen und Nutzerkonten passieren soll. Im Rahmen der Nachlassverfügung kann man zum Beispiel festlegen, ob das eigene Facebook-Profil nach dem Tod deaktiviert und gelöscht oder in den Gedenkzustand überführt werden soll.

Wenn Erben nach dem Tod des Nutzers Zugang zu dem Webportal erhalten und den Todesfall melden, können die vorher angelegten Verträge und Mitgliedschaften dann automatisch oder im Auftrag der Erben abgemeldet oder gekündigt werden. Was ist, wenn der Verstorbene nicht alles erfasst hat? Auch das ist kein Problem. Über eine automatische Recherche können die Vertragsbeziehungen zu führenden Anbietern ermittelt werden. Sie können dann gekündigt oder deaktiviert werden. Dazu müssen die Erben weder den Anbieter noch die Zugangsdaten kennen. Alles kann direkt im Portal erledigt werden.

Der digitale Nachlassplaner hilft aber nicht erst nach dem Tod bei der Organisation. Er kann auch schon zu Lebzeiten nützlich sein. Nutzer können das Tool zu ihrem digitalen Vertragsmanager machen und sämtliche Verträge oder Mitgliedschaften zentral an einer Stelle erfassen und verwalten. So haben sie stets einen Überblick über alle Nutzerkonten.