Analoge Hausnotrufgeräte : Veraltete Technik im digitalen Zeitalter

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Moderne Hausnotrufgeräte geben Nutzern zu jeder Zeit Sicherheit. Bild: Ingo Bartussek | Fotolia.com

Sie sollen älteren Menschen und deren Angehörigen Sicherheit geben: Hausnotrufgeräte. Aber was, wenn in einigen von ihnen überholte Technik steckt?

Sind die Voraussetzungen zur Bezuschussung des Hausnotrufservices gegeben, unterstützt die Pflegekasse den Hausnotrufservice mit einer einmaligen Anschlussgebühr von 10,50 € und monatlich mit 18,36 €. Geschätzt 60.000-80.000, auf analoger Protokoll Basis datenübertragende Hausnotrufgeräte, gibt es in Deutschland.

Diese Geräte bestehen meist aus einem Basisgerät, welches an den Telefonanschluss angeschlossen ist, und einem Funkhandsender, der mit einem Armband oder Halskette getragen werden kann und somit eine mobile Rufauslösung innerhalb der Wohnung gewährleistet.

Warum sind analoge Hausnotrufgeräte tickende Zeitbomben?

Analoge Hausnotrufgeräte wurden für das analoge Telefonnetz entwickelt. Nach einem Stromausfall wird der laufende Betrieb dieser Geräte für mindestens 48 Stunden auch im Akkubetrieb sichergestellt.

Eingesteckt in die Telefondose des Telefonanbieters war früher im analogen Netz auch ein Notruf noch nach einem Stromausfall möglich. Einmal pro Woche wurde ein „stiller Alarm“ als Testanruf zur Notrufzentrale übermittelt, um zu überprüfen, ob das betreffende Gerät noch funktioniert.

Aktuell sind bzw. werden die Telefonnetze digitalisiert, das bedeutet auf All-IP Technik umgestellt. Das alte analoge Netz wird spätestens 2018 komplett abgeschaltet sein (Angaben Deutsche Telekom).

Wenn der Router des All-IP Anschlusses ausfällt, ist mit dem dahinter geschalteten Hausnotrufgerät keine Rufauslösung mehr im Notstrombetrieb möglich.

Dieser Umstand stellt ein großes Problem dar, wenn die Nutzer von Hausnotrufsystemen bei Stromausfall den Funkhandsender betätigen, da sie sich in der Dunkelheit nicht zurechtfinden bzw. es gerade dann vermehrt zu Unfällen kommen kann.

Damit in der Notruf- und Serviceleitstelle der richtige Datensatz geöffnet wird, um zu wissen, welcher Teilnehmer anruft, werden mit Hausnotrufgeräten entsprechende Daten z.B. hier eine Teilnehmer-Identifikationsnummer übertragen. Mit dieser Teilnehmeridentifikationsnummer werden noch andere Daten übertragen zum Beispiel ob der Ruf mit dem Handsender oder mit der Gerätetaste ausgelöst wurde oder eine Vielzahl von technischen Alarmdaten (z.B. Stromausfall oder Netzwiederkehr).

Ein weiteres Sicherheitsproblem stellt die Übertragung der Daten des Notrufauslösenden über das analoge Datenprotokoll dieser analogen Geräte dar.

Analoge Hausnotrufprotokolle wurden Anfang der 70-80 er Jahre entwickelt. Bei dem analogen Übertragungsweg werden über Töne (DTMF Töne) die Teilnehmerdaten an die Hausnotrufzentrale übermittelt. Diese 35-45 Jahre alte Technik wird leider heute noch überwiegend in den Hausnotrufgeräten in ganz Deutschland verwendet.

Das Sicherheitsproblem in den digitalen Telefonnetzen mit alten analogen Protokollen ist, dass die analog übermittelten Daten nicht immer sicher über das Telefonnetz übermittelt werden. Somit bleibt ein großes Restrisiko für den Nutzer von analog basierenden Hausnotrufgeräten.

Schlimmstenfalls fällt frühestens nach einer Woche dem Ausbleiben des Testanrufs der Notrufzentrale auf, dass der Teilnehmer nicht mehr an einem funktionstüchtigen Telefonanschluss angeschlossen ist, davon ausgeschlossen bleiben die sporadischen Fehlübertragungen, die sich über das analoge Rufprotokoll ergeben können.

Einige Hersteller haben nachgebessert und ein Protokoll entwickelt, welches VoIP-fähig ist. Es handelt sich aber nach wie vor auch bei den VoIP-fähigen Hausnotrufgeräten um ein analoges Protokollübertragungsverfahren. Dies ist z.B. auch der Patentschrift eines Herstellers zu entnehmen mit dem ST-Protokoll, welches auch dem NG Protokoll eines anderen Herstellers ähnelt.

Auch bei nachgebesserten VoIP-fähigen Geräten ist nach Stromausfall kein Notruf mehr möglich!

Digitale Technik erfordert als Gegenstück digitale Technik und keine Übergangslösungen, die die Sicherheit der Teilnehmer gefährdet.

Sichere Hausnotrufgeräte sollten automatisch an dem Router angeschlossen, damit online gehen und minütlich überwacht werden. Sollte der Router ausfallen bzw. stromlos sein, müsste der sichere Hausnotruf auch über das Mobilfunknetz über eine im Hausnotrufgerät integrierte Mobilfunk-Karte sichergestellt sein, wobei die Datenübertragung auch im Mobilfunkbetrieb digital über ein sogenanntes XML-Protokoll zu erfolgen hat.

In Schweden sind in den letzten Jahren häufig Nutzer von analogen Hausnotrufsystemen zu Schaden gekommen oder sogar verstorben.

Deshalb hat die schwedische Regierung die Verantwortung übernommen. Seit einigen Jahren dürfen in Schweden keine analogen Hausnotrufgeräte mehr in Ausschreibungen ausgeschrieben werden. Für existierende analoge Geräte in der schwedischen Bevölkerung gibt es einen fixen Austauschplan.

Sie sind bereits Nutzer eines Hausnotrufsystems. Wie können Sie überprüfen, wie sicher Ihr Hausnotrufsystem ist?

Einmalige Überprüfung:

  • • Trennen Sie den Router Ihres Telefon-/Internetanschlusses vom Stromnetz, indem Sie das Stromkabel vom Router abziehen oder den Netzstecker des Routers aus der Steckdose entfernen.
  • • Ihr Hausnotrufgerät wird eventuell einen Piepton von sich geben. Es signalisiert damit den fehlenden Strom, lassen Sie sich davon nicht irritieren.
  • • Lösen Sie jetzt einen Testanruf zur Notrufzentrale aus. 
  • • Sollte sich die Hausnotrufzentrale nicht melden, können Sie die Stromversorgung Ihres Routers wieder einstecken und Ihren Anbieter kontaktieren und um Austausch eines sicheren Hausnotrufgeräts auf digitaler Basis bitten.

Regelmäßige Überprüfung Ihres analogen Hausnotrufs:

  • • Schwieriger zu überprüfen ist es, ob es zu Fehlern kommt bei der Übermittlung der analogen Protokolle. Deshalb empfehlen wir, einmal pro Woche einen Testanruf abzusetzen. Wird dieser erfolgreich an die Zentrale übermittelt, sagen Sie nur, es war ein Testanruf. Sollte es einmal nicht übermittelt werden, dann verlangen Sie den Austausch Ihres Notrufgeräts mit einem digitalen Notrufgerät.

Worauf sollten Sie beim Kauf oder der Miete Ihres Hausnotrufsystems achten?

  • • Lassen Sie sich von Ihrem Anbieter schriftlich bestätigen, dass das bei Ihnen zum Einsatz kommende Hausnotrufgerät ein echtes digitales Gerät ist und keine, auf analoger Technik basierende Daten, überträgt.
  • • Bei der Vorführung oder Erstinstallation können Sie den Schritt „einmalige Überprüfung“ durchführen wie oben beschrieben und das Gerät überprüfen

Fragen Sie Ihren Anbieter, ob Ihr Hausnotrufgerät auch eine SIM-Karte beinhaltet, die einen Notruf nach Ausfallen des Telefonnetzes sicherstellt.