FORTGESCHRITTENE PARKINSON-KRANKHEIT : Was Sie als Betroffene über moderne Therapieoptionen wissen sollten
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Melanie entschied sich für eine Pumpentherapie und gewann nach eigener Aussage mehr Beweglichkeit im Alltag zurück. Melanie entschied sich für eine Pumpentherapie und gewann nach eigener Aussage mehr Beweglichkeit im Alltag zurück.
Die Parkinson-Krankheit kann auch dann gut behandelt werden, wenn sie fortgeschritten ist. Melanies Geschichte zeigt: Moderne Parkinson-Therapien können dabei helfen, die Lebensqualität zu verbessern. Wie wirken diese Therapien und wann sind sie angezeigt?
Bei der Parkinson-Krankheit denkt man zunächst meist an ältere Menschen. Doch 10% der Betroffenen sind zum Zeitpunkt der Diagnose noch keine 50 Jahre alt. Fakt ist auch: Bei der Behandlung hat sich viel getan. Die Parkinson-Krankheit kann zwar nicht geheilt werden. Aber moderne Therapien ermöglichen auch mit einer fortgeschrittenen Erkrankung viel Lebensqualität.
Tabletten bei Parkinson: In den ersten Krankheitsjahren das Mittel der Wahl
- In den ersten Jahren: In der Regel halten wenige Tabletten pro Tag die Symptome in Schach. Sie ersetzen im Gehirn das bei der Parkinson-Krankheit nicht ausreichend vorliegende Dopamin. Dieser chemische Botenstoff sorgt unter anderem für flüssige Bewegungsabläufe.
- Im fortgeschrittenen Krankheitsverlauf: Es wird komplizierter, den Dopaminmangel mit oralen Medikamenten auszugleichen. Oft wirken sie nun kürzer und ungleichmäßiger. Auch mehr Tabletten am Tag können irgendwann nicht mehr verhindern, dass Betroffene mitunter schlecht beweglich sind oder weitere Parkinson-Symptome auftreten.
Was hilft bei fortgeschrittener Parkinson-Krankheit, wenn Tabletten nicht mehr ausreichen?
Die moderne Medizin kennt mehrere Methoden, wie eine fortgeschrittene Parkinson-Krankheit gut behandelt werden kann. Ziel dieser sogenannten nicht-oralen Folgetherapien ist, dass Betroffene durchgehend besser beweglich sind. Sie können ihren Alltag wieder besser planen und aktiver leben. Das beeinflusst auch die Psyche positiv.
Nicht-orale Folgetherapien bei der fortgeschrittenen Parkinson-Krankheit
Ist die Parkinson-Krankheit fortgeschritten, stehen folgende Therapien zur Verfügung:
- Die tiefe Hirnstimulation: Bestimmte Bereiche im Gehirn werden mithilfe von Elektroden stimuliert. Die Elektroden werden in einer Operation in die entsprechenden Hirnbereiche eingebracht.
- Zwei Arten von Medikamentenpumpen: Der Wirkstoff wird entweder als Gel über eine Sonde in den Darm abgegeben. Die Sonde wird in einer kurzen Operation gelegt. Oder der Wirkstoff wird kontinuierlich unter die Haut (subkutan) verabreicht. Hierfür ist keine Operation notwendig.
Option ohne OP – die Therapie mit einer Medikamentenpumpe
Um die Therapie mit einer Medikamentenpumpe ranken sich nach wie vor einige Mythen. Dazu gehört zum Beispiel die Annahme, eine Pumpe sei die letzte Notlösung, wenn alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft sind. Oder die Vorstellung, die Pumpe mache unbeweglich und sei zu groß und unhandlich, um damit Sport treiben oder reisen zu können.
Die Realität sieht jedoch anders aus:
- Wenn die Behandlung allein mit Tabletten nicht mehr ausreicht, ist die Pumpentherapie eine etablierte Therapieoption bei der fortgeschrittenen Parkinson-Krankheit. Weil sie Lebensqualität zurückgeben kann, sollte sie möglichst frühzeitig erwogen werden.
- Mehr Beweglichkeit ist eines der wichtigsten Therapieziele! Indem der Wirkstoff mithilfe der Pumpe kontinuierlich verabreicht wird, kann der Wirkstoffspiegel stabil gehalten werden. Viele Betroffene gewinnen dadurch sogar mehr aktive Bewegungszeit, weil es seltener zu plötzlichen Wirkstofflücken mit Folgen wie Starre oder Verlangsamung kommt. Auch nachts sind sie besser beweglich.
- Das Pumpensystem ist kompakt und kann einfach am Gürtel oder mit einer kleinen Gürteltasche getragen werden. Betroffene können es auf diese Weise problemlos in ihren Alltag integrieren. Viele berichten, dass mit Pumpe Alltagsaktivitäten, moderater Sport und Reisen weiterhin oder wieder gut möglich sind.
Zum Beispiel Melanie: Mit Pumpe wieder mehr Lebensqualität
Als bei Melanie die Parkinson-Krankheit festgestellt wurde, war sie gerade einmal 38 Jahre alt. „Ich war irgendwann bei acht bis neun Tabletten täglich angelangt“, blickt die 52-Jährige zurück. „Ihre Einnahme musste ich mit Mahlzeiten, Sport, mit allem abstimmen. Das war kompliziert. Zudem hatte ich aufgrund der Medikamente oft Schlafmangel. In den ersten Jahren nach der Diagnose brauchte ich manchmal sogar einen Rollator.“ Auf den Rollator kann sie irgendwann wieder verzichten. Doch Melanie wird immer klarer: „So geht es nicht weiter! Ich möchte mit der Parkinson-Krankheit ein genauso glückliches Leben führen wie ohne die Erkrankung.“
Heute hat Melanie das erreicht. „Ich habe mich für meinen Weg mit der Parkinson-Krankheit für eine Medikamentenpumpe entschieden – und die Pumpe ist für mich ein absoluter Gewinn an Lebensqualität. Ich bin wieder beweglich, auch nachts weniger eingeschränkt und morgens mobil. Im Alltag begleitet mich die Pumpe überall hin, auch zum Schwimmen oder in die Sauna – dort kann ich sie einfach kurz abnehmen.“
Fortgeschrittener Parkinson: Wann ist ein Therapiewechsel sinnvoll?
Wichtig ist, frühzeitig zu erkennen, dass die Parkinson-Krankheit fortgeschritten ist. Dafür gibt es folgende Anhaltspunkte:
- 5 Parkinson-Tabletten oder mehr täglich oder
- 2 Stunden oder mehr schlecht beweglich oder
- 1 Stunde unkontrollierbare Überbewegungen
Trifft eins oder treffen mehrere dieser „5-2-1“-Kriterien zu, zeigt das: Die Behandlung der Parkinson-Krankheit allein mit Tabletten reicht nicht mehr aus. Es ist dann an der Zeit, über den Wechsel auf nicht-orale Folgetherapien nachzudenken.
Der Parkinson-Check ermöglicht eine Einschätzung, wie gut Ihre aktuelle Parkinson-Therapie wirkt.
Zu lange zögern setzt Lebensqualität aufs Spiel
Ist die Parkinson-Krankheit fortgeschritten, ist es ratsam, mit einem Therapiewechsel nicht zu lange zu warten. „Man sollte nicht zögern, die Weichen hin zu einer nicht-oralen Folgetherapie zu stellen“, sagt Parkinson-Experte Dr. med. Andreas Becker. „Jeder Tag in schlechter Lebensqualität ist für die Betroffenen unwiederbringlich verloren.“
Für den Chefarzt der Neurologie und Ärztlichen Direktor des SRH Kurpfalzkrankenhauses Heidelberg ist es deshalb elementar, die Zeit mit einer nicht ausreichenden oralen Parkinson-Therapie zu verkürzen. „Es geht darum, wieder mehr Lebensqualität in den Alltag von Betroffenen und ihren Familien zu bringen.“
Mit Pumpe flexibel und aktiv im Alltag
Melanie ist froh über ihre Entscheidung. „Ich beschäftige mich nur einmal am Tag routinemäßig mit allem, was rund um die Pumpe zu tun ist. Das ist deutlich unkomplizierter als das Leben mit vielen Tabletten. Ich bin auch wieder flexibler. Kürzlich habe ich mir zum Beispiel unterwegs spontan ein Eis gegönnt – ohne auf die Uhr schauen zu müssen, ob das zu meinen Tablettenzeiten passt.“
