Autoindustrie : Senioren – nicht imageträchtig aber im Visier der Hersteller

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Die Freude am Autofahren bleibt ein Leben lang. Bild: Monkey Business – Fotolia.com

Vorwiegend sind Senioren Käufer von Neuwagen. Das Seniorenfahrzeug gibt es nicht, dennoch sind alternativ komfortable Autos für ältere Menschen auf dem Markt.

Heutzutage gibt es viele konkret auf Senioren ausgerichtete Produkte, denkt man beispielsweise an das Seniorenhandy. Ein Seniorenfahrzeug in diesem Sinne ist auf dem Automobilmarkt allerdings Mangelware. Schaut man sich Marketing und Werbung von Automobilherstellern an, wird besonders die Generation der Menschen zwischen 20 und 30 Jahren angesprochen. Dadurch entsteht der Eindruck, die meisten Neuwagenkäufer seien in dieser Altersklasse zu finden. Das ist allerdings nur Schein, die Realität sieht ganz anders aus. 2013 waren Personen, die sich einen Neuwagen zugelegt haben im Schnitt 52,2 Jahre alt. 32,2 Prozent der Neuwagenkäufer hatten sogar das 60. Lebensjahr bereits überschritten.

In Anbetracht dieser Tatsache ist die Entwicklung, welche sich in der Automobilbranche vollzieht nicht verwunderlich. Es wird immer gezielter auf Fahrkomfort hingearbeitet. Genügend Platz, sowohl im Sitzbereich als auch im Kofferraum, große Sichtfenster für eine gute Rundumsicht und eine erhöhte Sitzposition für mehr Bequemlichkeit gehören immer häufiger zum Standard.

Kauft man sich ein neues Handy, liest man normalerweise zuerst die Bedienungsanleitung – egal wie alt man ist. Wer sich ein neues Auto anschafft, steigt ein und fährt los – ganz selbstverständlich. Das erscheint im Hinblick auf die Komplexität eines Handys und die eines Fahrzeugs eigentlich seltsam. Dennoch kann jeder, der im Besitz eines Führerseins ist, mit jedem Auto, unabhängig von Größe und Marke fahren. Im Grunde funktioniert jeder Wagen gleich, Kupplung, Gas, Bremse und Schaltknüppel sind immer an derselben Stelle, lediglich einige Add-ons machen den Unterschied.

Gibt es das seniorengerechte Auto?

Ein spezielles Seniorenfahrzeug findet man auf dem Automobilmarkt also nicht. Stellt sich bei Berücksichtigung der Zielgruppe dennoch folgende Frage: Gibt es ein seniorengerechtes Auto? In den Kampagnen der Automobilhersteller wird ein solches in dieser Form eigentlich nicht beworben.

Einerseits wünscht man sich mehr Ehrlichkeit in der Werbung, andererseits, wer würde sich denn eine Seniorenkarre kaufen?

Die Automobilindustrie setzt immer mehr auf die Verbindung von Komfort und Sicherheit. Intelligente Assistenzsysteme sollen den Fahrer unterstützen und eine einfache Bedienbarkeit des Fahrzeuges garantieren. Dabei ist Sicherheit die höchste Priorität. Der Fahrspaß soll aber nicht zu kurz kommen. Noch größeren Komfort bieten Fahrzeuge mit Automatikgetriebe. Kuppeln und Schalten sind nicht nötig, sodass man sich voll und ganz dem Verkehr widmen kann.

Demnach gibt es zwar nicht das Seniorenfahrzeug, aber Autos, die eine komfortable Lösung für Senioren bieten. Darauf hat die Automobilindustrie reagiert und setzt immer mehr seniorenfreundliche Aspekte in ihren Modellen um und geht so auf die Bedürfnisse älterer Fahrer ein. 

Eine Kombination aus Komfort und Sicherheit

Mit zunehmendem Alter ist man meist nicht mehr so agil wie in jüngeren Jahren. An Komfort sollte es dann nicht mangeln. Dennoch sollte das Hauptaugenmerk auf die Sicherheit gelegt werden. Beim Kauf eines Neuwagens sollte man deshalb keine Kompromisse eingehen. Eine gute, nicht zu harte Federung macht die Fahrt angenehmer. Eine bequeme Sitzposition ist nicht nur bei längeren Fahrten von großer Bedeutung, auch kürzere Fahrten können damit viel angenehmer sein. Der Sitz sollte sich deshalb einfach auf die persönlichen Bedürfnisse des Fahrers einstellen lassen. Allerdings ist es mit einer guten Polsterung der Autositze nicht getan. Die Rückenlehne sollte zudem stabil und wirbelsäulengerecht sein. Optimales Sitzen fördert nicht nur das Wohlbefinden und beugt Rückenleiden vor, es erhöht auch die Fahrsicherheit.

Damit nicht nur das Sitzen im Auto, sondern auch das Ein- und Aussteigen keine Schwierigkeiten bereitet, sollte auf einen bequemen Zu- und Ausstieg geachtet werden – und zwar auf allen Plätzen. Störende Sitzwangen, zu breite Schweller und flache Dachsäulen sind beim Ein- und Aussteigen in das Auto hinderlich. Leichte, breit oder gegenläufig öffnende Türen und eine erhöhte Sitzposition im Fahrzeug machen den Ein- und Ausstieg komfortabler.

Neben besserem Zu- und Ausstieg in und aus dem Auto haben Fahrer mit einer erhöhten Sitzposition außerdem eine bessere Rundumsicht. Große Sichtfenster erhöhen die Fahrsicherheit und erleichtern das Abschätzen der Bereiche vor und hinter dem Wagen. Für noch sichereres, komfortableres Einparken sorgen Einparkhilfen oder Kamera-Parksysteme. Aber auch große Außenspiegel machen es um einiges einfacher, das Auto in eine Lücke zu manövrieren.

Gepäck zu transportieren sollte mit einem Auto eigentlich kein Problem sein. Allerdings sollte ein einfaches Beladen und Entladen des Kofferraums ebenfalls gewährleistet sein. Ausreichend großer Stauraum und eine elektronische Heckklappe machen selbst das Beladen komfortabel.

Assistenzsysteme erleichtern und verschönern das Fahrerlebnis

Um Ablenkung zu verhindern und die Konzentration auf die Straße und den Verkehr zu lenken, ist eine einfache und übersichtliche Gestaltung und Anordnung der Knöpfe am Armaturenbrett als auch am Lenkrad hilfreich. Zu viele, zu kompliziert gekennzeichneten Schalter verwirren nur und lenken ab.

Viele Add-ons und Assistenzsysteme erleichtern das Fahren und machen es dabei noch sicherer. Täglich ereignen sich etliche Auffahrunfälle. Notbremsassistenten sollen dies verhindern. Die automatische Abstandsregelung sorgt für Sicherheitsabstand zum vorausfahrenden Fahrzeug. Ein kurzer Moment der Unachtsamkeit und das Auto kommt von der Spur ab. Die Folge davon kann vom Abkommen der Straße bis hin zu einem Zusammenprall mit dem Gegenverkehr reichen. Ein Spurhalteassistent soll helfen, das zu verhindern. Nie mehr ein Verkehrszeichen übersehen, das ermöglicht die Verkehrszeichenerkennung. Ist das Fahrzeug mit einer solchen ausgerüstet, werden dem Fahrer die Verkehrsschilder auf dem Display angezeigt.

Für mehr Sicherheit auf Fahrten in der Dämmerung oder bei Nacht gibt es verschiedene Assistenzsysteme für die Beleuchtung. Ist ein Fahrzeug mit Lichtautomatik ausgestattet, aktiviert sich das Abblendlicht bei Dunkelheit automatisch. Die erweiterte Funktion der Lichtautomatik, der Fernlichtassistent, sorgt dafür, dass wann immer in der Dunkelheit möglich ist, das Fernlicht angeschaltet wird. Fußgänger, Fahrradfahrer ohne Licht oder plötzlich auftauchende Tiere auf der Fahrbahn sind für Autofahrer in der Dämmerung und nachts nur schwer zu sehen. Der Nachtsichtassistent soll ein frühzeitiges Erkennen ermöglichen. Auf einem Display wird der Bereich vor dem Fahrzeug abgebildet und der Fahrer wird optisch und bei manchen Ausführungen auch akustisch vor Gefahren auf der Straße, die dem Auto zu nahe kommen.

Das seniorengerechte und moderne Fahrzeug

Der Markt bietet eine breite Palette an KFZ, die für jede Altersgruppe geeignet ist, auch da insbesondere die  KFZ, in denen sich ältere Menschen besonders subjektiv wohl fühlen und mittlerweile sind selbst sogenannte Sportwagen erhältlich die Komfort und Platz bieten.

Es wäre aber wünschenswert, dass  bestimmte Assistenzsysteme, als Beispiel erscheint unter anderem der Totwinkel-Assistent besonders geeignet, mit Rücksicht auf eine vorwiegend ältere Neuwagenkäufer-Gruppe bereits standardmäßig implementiert sind und nicht erst in Sonderausstattungen gesondert dazu geordert werden müssten. So entsteht beim Käufer nicht erst die Frage, brauche ich das wirklich, sondern es ist einfach dabei. Die wenigsten Verbraucher würden heut auf die Idee kommen bei einem Smartphone-Neukauf die Kamera wegzulassen, weil es ein paar Euros weniger kostet. Bei einem Neuwagen Kauf dagegen ist man immer wieder der Frage ausgesetzt, welche Assistenzsysteme sinnvoll sind.

Die Benutzerfreundlichkeit eines zeitgemäßen KFZ sollte die Fähigkeiten und Bedürfnisse aller Altersgruppen erfassen, damit dieses noch einfacher und intuitiver im Sinne eines „all generations drive“ genutzt werden kann. Letztendlich ist jeder Kauf eines KFZ immer eine Frage des Geschmacks und des Geldbeutels.

Das Seniorenauto wird Mythos bleiben, denn „alt“ sind bekanntlich nur die anderen.

Die Best Ager und neuen Alten werden in Zukunft die Hauptgruppe der Neuwagengenkäufer bleiben, gehen aber selbstbewusster mit ihrem Alter um, getreu dem Motto wie vor Kurzem auf der Autobahn auf einem Wohnmobil zu lesen war: „Zu alt, um zu arbeiten, zu jung um zu sterben, topfit um zu reisen.“