Kaliningrad : Reise in das Bernsteinland

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Blick auf das restaurierte Fischerdorf in Kaliningrad. Bild: s1rus | Fotolia.com

Faszinierende Sonnenuntergänge und kilometerlange Sandstrände. Historisches inmitten der Moderne. Die Exklave Kaliningrad hält einen besonderen Schatz bereit.

Manch einer von uns verbindet die russische Oblast Kaliningrad nicht mit einer idyllischen Landschaft und schon gar nicht mit Urlaub. Dabei hält die Region mit malerischen Buchten und Orten einen wahren Schatz bereit. Die Szenerie offenbart weite grüne Wiesen so weit das Auge reicht und unberührte Natur. Städte wie Rauschen oder Cranz erhielten sowjetische Namen, aber haben seither nicht ihren Charme und ihre Schönheit der vergangenen Tage verloren. Wer das ehemalige Ostpreußen bereisen will, sollte nicht nur in die Hauptstadt Kaliningrad gehen, sondern ebenso die Küstenstädte und das Umland erkunden. Die russische Region ist mit dem Mutterland nicht verbunden, sondern grenzt an Litauen und Polen und im Nordwesten an die Ostsee. Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs begannen um 1990 erstmals ehemalige ostpreußische Bewohner, die Exklave zu bereisen, was den Tourismus seither stark ansteigen ließ. Kaliningrad hat demnach eine der schönsten Küstenabschnitte am Baltischen Meer.

Ungeahnte Schätze im Sand

Denn nirgendwo sonst werden derart viele und schöne Exemplare entdeckt wie hier: Gemeint ist damit der Bernstein, welcher entlang der Küste besonders häufig zu finden ist. Bernstein lagert in einem blaugrauen Lehm, bekannt als „Blaue Erde“ und besteht aus dem Harz der Bäume, welches vor 40 Millionen Jahre ausgetreten ist. Manche haben gar Insekten oder Blätter im Innern eingeschlossen. Fossile Inklusionen im Bernstein sind besonders begehrt, da diese nach einem Feinschliff und der Bearbeitung zu Schmuck im In- und Ausland verkauft werden. Seit Bekanntwerden des  außergewöhnlich großen Bernsteinvorkommens in der Küstenstadt Pionerski ist ein wahrer Rausch unter begeisterten Sammlern ausgebrochen. Vor wenigen Jahren erstürmten diese den Ort, um an die beliebten Exemplare zu gelangen. Das ist nicht verwunderlich, denn die Strände sind übersät von dem goldenen Schatz. Deshalb ist Kaliningrad auch bekannt als Das Bernsteinland.

Momentan ist Bernstein so teuer wie noch nie.
Momentan ist Bernstein so teuer wie noch nie.
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Das Sotschi des Nordens

Zum Baden im Meer lädt Zelenogradsk geradezu ein. Eine Stadt, die bis 1947 unter dem Namen Cranz bekannt war. Diese liegt etwa 40 km nördlich der Stadt Kaliningrad und ist ein besonders gern besuchter Erholungsort bei den Russen. Breite Sandstrände und romantische Uferpromenaden machen es zu einem besonders schönen Seebad. In den vergangen Jahren sind zunehmend auch westliche Touristen auf den Geschmack gekommen, ihren Urlaub an diesem Abschnitt der Ostseeküste zu verbringen. Denn auch im früheren Ostpreußen war Cranz ein bevorzugter Badeort.

Eine halbe Stunde westlich gelegen trifft man auf den Kurort Swetlogorsk (früher Rauschen). Der Name bedeutet übersetzt „heller Berg“ oder auch „helle Stadt“ und bezieht sich auf die weitläufigen weißen Sandstrände. Natürliche Dünen, zum Schutz vor Wind und Hochwasser, ragen in die Höhe. Ab dem 20. Jahrhundert entwickelte sich Rauschen zu einem Bade- und Kurort. Begonnen hat es mit dem Bau der Samland-Seilbahn. Diese verbindet noch heute den Bahnhof und den Strand für Badegäste. Weitestgehend erhalten geblieben ist die Innenstadt von Swetlogorsk mit historischen Gebäuden und dem wohl berühmtesten Bauwerk: Dem Wasserturm, der gleichzeitig ein Warmbad beherbergt. Erbaut wurde das Wahrzeichen der Stadt in der Vorkriegszeit in einem auffälligen Jugendstil. Später wurde die markante Sonnenuhr angebracht. Andere Gebäude im Ort wurden im Stil der ostseetypischen Seebäderarchitektur errichtet. 

Spätestens seit dem aufkommenden Badetourismus ist die „Perle des Baltikums“ auch als das „Sotschi des Nordens“ bekannt. Sie liegt am nördlichsten Punkt von Kaliningrad auf der Halbinsel Samland. Von hier aus lassen sich wunderschöne Sonnenuntergänge genießen.

Die Samland-Halbinsel befindet sich zwischen der Frischen Nehrung und der Kurischen Nehrung (Lagune). Eine Heimat seltener Pflanzen und unberührter Natur mit großflächigen Wäldern, Flüssen und mehreren Seen. Europas höchste Dünen und längsten Sandstrände befinden sich an diesem besonderen Ort.

Kaliningrad ist auch bei Badetouristen ein beliebtes Ziel.
Kaliningrad ist auch bei Badetouristen ein beliebtes Ziel. ©RATUS | Fotolia.com

Wo Moderne und Geschichte aufeinander prallen

Im heutigen Kaliningrad begibt sich die junge Generation vermehrt auf eine historische Erkundungstour, um das ehemalige Ostpreußen in ihrer russischen Heimat wieder zu entdecken. Kaliningrad  – die neue alte Hauptstadt – ist mit 450.300 Einwohnern eine pulsierende kleine Metropole geprägt von russischen und deutschen Einflüssen. Hier begegnen sich zwei Kulturen. Das frühere Königsberg ist allgegenwärtig. Wenn auch Vieles zerstört und nicht erhalten geblieben ist, so gibt es immerhin noch Wohnhäuser im deutschen Baustil oder historische Bauten wie das Königstor, welches von sowjetischen Hochhäusern umgeben ist. Das Königstor ist eines von ehemals sechs Stadttoren und wurde Mitte der 90er aufwendig restauriert. Heute befindet sich dort ein kleines Museum über die Geschichte Königsbergs und seiner Einwohner.

Besonders stolz ist die Stadt auf den Wiederaufbau und die Restaurierung des Königsberger Doms aus dem 14. Jahrhundert. Museum und Bibliothek sowie eine evangelische und orthodoxe Kapelle teilen sich heute diese religiöse Stätte. Beeindruckend ist das bis heute erhalten gebliebene Grabmal des Philosophen Immanuel Kants innerhalb der Kirchengemäuer. Immanuel Kant ist im damaligen Königsberg geboren und wie kein anderer noch heute präsent in der Stadt. 1992 wurde das Denkmal für den berühmtesten Einwohner wieder neu errichtet, nachdem das ursprüngliche Monument ab 1945 als verloren galt. Das Immanuel-Kant-Museum ehrt ebenfalls den Philosophen mit Dokumenten aus seinem Leben in der Stadt und Schriften seiner Theorien. Sehr sehenswert ist das Bernsteinmuseum im Dohnaturm, welches den Schatz von Kaliningrad in all seiner Schönheit, Pracht und Form dem Besucher darbietet. Hunderte Artefakte mit und ohne Inklusionen sowie Bernsteinnaturformen.

Der Königsberger Dom im heutigen Kaliningrad.
Der Königsberger Dom im heutigen Kaliningrad. ©A8764 | Fotolia.com

Kaliningrad ist im Wandel, aber die Bewohner sind stolz auf ihre Königsberger Vergangenheit. Zahllose deutsche Autos, Straßenbahnen aus Sowjetzeiten, graue Hochhäuser aber auch in Stand gesetzte historische Gebäude prägen das heutige Stadtbild. Vor vier Jahren wurde die Stadt nun zu einem der Austragungsorte für die Fußball-Weltmeisterschaft 2018 gewählt. Eine große Chance für die Bewohner und den Tourismus in der Region.

Reisen in das Samland

Da Kaliningrad Teil Russlands ist, jedoch abgetrennt vom Kernland, hat dies zur Folge, dass bei der Einreise ein Touristenvisum notwendig ist. Das Visum gilt entweder zwei Wochen oder einen Monat. Vor Antritt der Reise muss dieses in einem Generalkonsulat der Russischen Föderation in Deutschland beantragt werden.  Ein etwas umständlicher Weg, aber es lohnt sich.

Kaliningrad ist vielseitig und pflegt wie nirgends sonst hunderte von deutsch-russischen Beziehungen sowohl im Bereich Bildung wie auch in der Forschung. Städtepartnerschaften mit Bremerhaven, Zeitz, Kiel, Rostock und dem Bezirk Lichtenberg von Berlin verbinden die Orte sowohl sprachlich als auch kulturell. Gefördert wird dies durch Schüleraustauschprogramme und gemeinsame Projekte an den jeweiligen Hochschulen. An der Staatlichen Technischen Universität von Kaliningrad können sogar Lehrveranstaltungen auf Deutsch besucht werden.

Was erwartet mich auf einer Reise in die Stadt und das Gebiet?

Ganz besonders die Gastfreundschaft der Menschen und die weite offene Natur werden beeindrucken. Denn das macht Kaliningrad zweifellos zu einem attraktiven Reiseziel. Wer in das Samland reist erlebt einzigartige Kontraste von unberührter Natur und historischer Orte. Unter Umständen ist die Reise in die Oblast verhältnismäßig erschwinglicher gegenüber anderen Touristenregionen in Europa. 

Ein Besuch in die Region, die sich im kulturellen Umschwung zwischen verflossenen Tagen und der Moderne befindet, ist nicht nur für ehemalige Bewohner Ostpreußens eine unvergessliche Erfahrung. Vielleicht ist das Interesse nun geweckt für dieses neue Reiseziel. Denn eines ist sicher: Es wird eine außergewöhnliche Reise werden.